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Der Tod - ein Tabuthema in unserer Gesellschaft

  • biancawiedner9
  • 5. Sept.
  • 2 Min. Lesezeit


Der verdrängte Begleiter


In der mitteleuropäischen Gesellschaft hat der Tod einen eigenartigen Stellenwert: Er betrifft uns alle, und doch wird er so gut wie nie offen angesprochen. Während Geburt und Hochzeit als selbstverständliche Übergangsrituale gefeiert werden, bleibt das Sterben oft im Verborgenen – hinter Krankenhauswänden, in Pflegeheimen oder Hospizen.

Das führt dazu, dass viele Menschen kaum Berührungspunkte mit Sterben und Tod haben, bis sie selbst oder ein nahestehender Mensch betroffen sind. Der Tod wirkt dann nicht wie ein natürlicher Teil des Lebens, sondern wie ein Fremdkörper, vor dem man Angst hat und den man möglichst weit wegschiebt.


Warum das Schweigen so schwer wiegt


Dieses Schweigen kann Folgen haben:

  • Fehlende Vorbereitung: Viele Angehörige wissen nicht, was in den letzten Tagen auf sie zukommt.

  • Einsamkeit der Sterbenden: Wer nicht über Tod und Sterben sprechen darf, bleibt mit Ängsten allein.

  • Verlust an Ritualen: Früher war das Totenbett im Haus ein gemeinschaftlicher Ort des Abschieds. Heute fehlt vielen die Möglichkeit, bewusst Abschied zu nehmen.


Der Sterbeprozess – was die letzten Tage bedeuten


Der Übergang am Lebensende ist oft von großen körperlichen und seelischen Veränderungen geprägt:

  • Der Körper fährt seine Funktionen langsam herunter, der Schlaf wird länger, das Bedürfnis nach Nahrung und Flüssigkeit verschwindet.

  • Angehörige erleben diese Zeichen häufig als beängstigend, dabei sind sie Teil eines natürlichen Prozesses.

  • Nähe, Berührung, einfache Worte oder auch Stille sind in dieser Zeit oft wichtiger als medizinische Maßnahmen.


Ein anderer Umgang ist möglich


In den letzten Jahren gewinnen Hospizbewegungen und Palliativmedizin an Bedeutung. Sie stellen die Frage: Wie können wir Menschen ein würdevolles, schmerzarmes und begleitetes Sterben ermöglichen?

  • Hospizbegleitung bedeutet: Niemand soll allein sterben müssen.

  • Gespräche über Wünsche und Ängste können helfen, den Tod in das Leben zu integrieren.

  • Rituale des Abschieds – von Musik über Kerzen bis zu persönlichen Worten – geben Angehörigen Halt.


Mut zum Hinschauen


Der Tod wird immer Teil unseres Lebens sein. Ihn aus der Mitte der Gesellschaft zu verdrängen, macht ihn nur furchteinflößender. Mut entsteht, wenn wir das Tabu brechen: wenn wir mit unseren Kindern darüber reden, wenn wir unsere eigenen Wünsche für das Lebensende festhalten, wenn wir anderen in ihrer Trauer zuhören.

So kann der Tod – statt ein Schreckgespenst – wieder zu dem werden, was er immer schon war: der letzte Übergang in einem Leben, das wir bewusst gestalten dürfen.

 
 
 

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